Drei Entwicklungen trafen in dieser Woche zusammen: eine neue Zollstruktur der USA, Indonesiens staatlich gelenktes Exportmodell und ein Energieschock aus der Straße von Hormus. Das Tempo bestimmen nun feste Compliance-Fristen, allen voran die Halal-Zertifizierung Mitte Oktober. Wer noch in dieser Woche über Verträge, Zertifizierung und Beschaffungswege entscheidet, behält die Initiative.
Die 90-tägige Aussetzung der US-Gegenzölle ist abgelaufen. Das geht aus einer Bekanntmachung des US-Handelsbeauftragten (USTR) im Federal Register hervor (geprüft am 18. August). Ausgesetzt waren Sätze von 46 Prozent für Vietnam, 32 Prozent für Indonesien, 36 Prozent für Thailand und 49 Prozent für Kambodscha. Für die meisten ASEAN-Märkte fehlen weiterhin fertige bilaterale Abkommen. Unabhängig davon greift am 29. September 2026 für alle Unternehmen in vollem Umfang ein weltweiter Zollaufschlag von 10 Prozent nach Section 122. Er ersetzt das auf das Notstandsgesetz IEEPA gestützte Zollregime, wie der Zonos US Import Tariff Tracker (11. September) berichtet.
Handlungsbedarf: Finanz- und Zollabteilungen sollten jede für die USA bestimmte Artikelnummer unter der neuen Struktur neu kalkulieren und die Compliance des Importeurs (Importer of Record) bestätigen. Einschätzung: Da der Aufschlag für nahezu alle Handelspartner der USA gilt, könnten sich Arbitragemöglichkeiten über das Ursprungsland innerhalb des ASEAN-Raums verringern. Preis- und Beschaffungsprüfungen sollten deshalb jetzt beginnen.
10 Prozent Weltweiter Zollaufschlag nach Section 122, gültig ab 29. September
Die Regierungsverordnung 24/2026 beschränkt die Ausfuhr von Kohle, Palmöl und Ferrolegierungen auf eine benannte Staatsgesellschaft (DSI). Diese tritt als Eigentümerin oder alleinige Vermittlerin auf und verdrängt Exportfunktionen in ausländischer Hand, berichtet HLC Publications (29. August). Präsident Prabowo kündigte am 20. Mai vor dem Parlament an, die Gesellschaft werde bis September 2026 auch die Befugnis erhalten, Exportpreise festzulegen. Das geht aus der Analyse „Indonesia's Export Control Plan“ (24. Juli) hervor, die zugleich auf Risiken für langfristige Lieferverträge mit Japan und Südkorea hinweist.
Handlungsbedarf: Ausländische Unternehmen mit direkten Exportverträgen sollten ermitteln, welche Verträge umgebaut werden müssen, und jetzt Gespräche mit der DSI aufnehmen. Abnehmer in Japan und Südkorea sollten alternative Bezugsquellen einem Belastungstest unterziehen. Einschätzung: Legt die Staatsgesellschaft die Preise fest, kann sich die Wirtschaftlichkeit der Verträge ändern. Zuerst gehören daher die Preisklauseln auf den Prüfstand.
Iranische Streitkräfte haben die Straße von Hormus ab dem 4. März 2026 für geschlossen erklärt. Mindestens 17 Handelsschiffe wurden beschädigt, und ein von den USA geführter Marineeinsatz zum Geleitschutz dauert an, berichtet Congress.gov / Library of Congress (31. August). Saudi Aramco meldete für das zweite Quartal eine Kohlenwasserstoffförderung von 9,5 mmboed (Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag) nach 12,780 mmboed ein Jahr zuvor. Rohöl kostete dabei 108 US-Dollar je Barrel, so Energies Media (19. August).
Handlungsbedarf: Energieintensive Unternehmen sollten sich ihren Bedarf an Treibstoff und Einsatzstoffen sichern und ihre Budgets auf einen dauerhaft dreistelligen Ölpreis hin durchrechnen. Einschätzung: Bei einem so starken Förderrückgang dürfte sich die Versorgungslage nicht rasch entspannen. Ausweichquellen für die Beschaffung gehören deshalb auf die Tagesordnung der Vorstandsebene.
108 US-Dollar je Barrel Rohölpreis laut Aramco-Zahlen zum zweiten Quartal 2026
China exportierte 2025 mehr als 131 Millionen Tonnen Stahl, 13,8 Prozent mehr als die 115 Millionen Tonnen des Vorjahres. Ein überproportionaler Anteil ging in den ASEAN-Raum, heißt es im OECD Steel Outlook 2026 (geprüft am 28. August). Chinas Aussetzung der Exportkontrollen für Seltene Erden und Graphit läuft am 10. November 2026 aus, berichten Council on Foreign Relations / Coface (9. September). Der Spatenstich für Indonesiens Solarprogramm über 100 Gigawatt steht unmittelbar bevor, meldet die Indonesia Business Post (5. August).
Handlungsbedarf: Lokale Stahlhersteller in der Region sollten Belege für handelspolitische Schutzmaßnahmen vorbereiten. Hersteller, die Magnete oder Graphitanoden verarbeiten, sollten sich vor dem 10. November Lagerbestände sichern. Einschätzung: Der Solarausbau könnte die Nachfrage nach Material und Ausrüstung erhöhen. Das macht eine sichere Versorgung umso wertvoller.
131 Millionen Tonnen Chinas Stahlexporte 2025, ein Plus von 13,8 Prozent
Indonesiens Halal-Pflicht für importierte Waren beginnt Mitte Oktober. Beim Datum gehen die Quellen auseinander: Das Ilomata International Journal (16. September) nennt den 17. Oktober, ANTARA News (18. September) und Emerhub (3. September) nennen den 18. Oktober. Laut ANTARA erklärte der Handelsminister, importierte Waren könnten vor Beginn dieser Phase weiterhin eingeführt werden. In der EU gilt die Entwaldungsverordnung EUDR für große und mittlere Marktteilnehmer ab dem 30. Dezember 2026, so die Verordnung (EU) 2025/2650 (21. September). Die Lieferkettenrichtlinie CS3D war bis zum 26. Juli in nationales Recht umzusetzen, so die Richtlinie (EU) 2024/1760 (12. August).
Handlungsbedarf: Unternehmen sollten den 17. Oktober als Arbeitsfrist ansetzen, für jede betroffene Artikelnummer eine von der indonesischen Halal-Behörde BPJPH anerkannte Zertifizierung sicherstellen und mit der digitalen Sorgfaltsprüfung nach EUDR für Palmölderivate beginnen. Einschätzung: Abnehmer in der EU werden von Lieferanten aus dem ASEAN-Raum voraussichtlich früh Auditnachweise verlangen.
30. Dezember 2026 Start der EUDR für große und mittlere Marktteilnehmer
Die US-Notenbank Fed tagt am 15. und 16. September, nachdem sie im Juli mit 9 zu 3 Stimmen beschlossen hatte, den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen, berichtet FedRateCalc (9. September). CME FedWatch wies eine Wahrscheinlichkeit von 58,6 Prozent für unveränderte Zinsen aus. Restriktive Signale aus Jackson Hole vergrößerten den Zinsabstand zwischen den USA und Asien, so CME FedWatch (3. September). Das US-Finanzministerium setzte ab dem 8. September fünf Generallizenzen mit Iran-Bezug aus, berichtet Orrick (7. September). Die EU-Staaten müssen bis zum 1. November eine Gebühr je Paket auf Sendungen aus dem Fernabsatz erheben, meldet Consilium (9. September). COSCO hat am 28. Juli die Fahrten durch das Rote Meer wieder aufgenommen, berichten Linerlytica / The Loadstar (13. August).
Handlungsbedarf: Unternehmen sollten kurzfristige Dollarrisiken absichern, Zahlungen mit Bezug zur Golfregion überprüfen und die EU-Paketgebühr in die Margen ihres Onlinehandels einpreisen. Einschätzung: Die Rückkehr von COSCO deutet darauf hin, dass sich die Route durch das Rote Meer wieder öffnet. Unternehmen sollten sie als Option gegenüber den derzeitigen Routen prüfen.
1. November 2026 Spätester Starttermin für die EU-Bearbeitungsgebühr je Paket
Quellen dieser Woche: USTR Federal Register notice · Zonos US Import Tariff Tracker · HLC Publications · OECD Steel Outlook 2026 · Indonesia Business Post · Council on Foreign Relations / Coface · Congress.gov / Library of Congress · Energies Media — Aramco Q2 2026 results report · Indonesia's Export Control Plan: What It Means for Commodities · Consilium press release · Linerlytica / The Loadstar · Vietnam Post Logistics · EU Directive 2024/1760 (CS3D) · Ilomata International Journal of Social Science · EU Council Regulation (EU) 2025/2650 · NPRA circular via Pharma To Market · KB Valbury Sekuritas research note · medminutes.io · WTO news release · ANTARA News · Emerhub · FedRateCalc / Federal Reserve FOMC schedule · CME FedWatch / Polymarket via growbeansprout.com and predictionmarketspicks.com · Orrick